Pinkafeld sicherte sich mit 4:1-Sieg gegen Eberau ein weiteres Jahr Burgenlandliga

Publiziert durch Heinz Bundschuh am 04. Juni 2017

Das Südderby SC Pinkafeld gegen SV Eberau fand dieses Jahr unter besonders dramatischen Rahmenbedingungen statt, fanden sich doch beide Mannschaften als direkte Konkurrenten im Abstiegskampf wieder. Die Situation hatte sich vor Spielbeginn noch zusätzlich verschärft, weil der unmittelbare Abstiegskonkurrent Wimpassing mit einem 4:0-Heimsieg gegen Markt Allhau vorgelegt hatte.


Obwohl es für beide Mannschaften um Alles oder Nichts ging, entstand in Halbzeit eins ein Spiel, bei dem beide Teams mit offenem Visier antraten und ohne Rücksicht auf Verluste ihr Heil im Angriff suchten. Der jungen Pinkafelder Mannschaft gelang es dabei 45 Traumminuten auf den Rasen zu setzen, in denen sie dem regierenden Meister nicht weniger als vier Treffer zufügen konnte. In Halbzeit zwei flaute dann das Spielgeschehen merklich ab. Pinkafeld bedacht das Ergebnis zu verwalten, die Gäste aus Eberau durch eine Tätlichkeit von Nik Wukitsevits, für die er von Schiedsrichter Wandl glatt Rot erhielt, noch zusätzlich geschwächt, konnten zumindest einen Treffer durch einen Elfmeter von David Mersits aufholen.


Während Pinkafeld in seinem 105. Bestandsjahr sich eine weitere Saison in der Burgenlandliga sicherte, sind die Gäste aus Eberau, die vor einer Woche ihr 60-jähriges Jubiläum feierten, akut abstiegsgefährdet. Dieser Samstag war für sie sicherlich ein schwarzer Tag, weil sie sich durch die Ergebnisse in Pinkafeld und Wimpassing einen Dreipunkte-Rückstand auf die Nordburgenländer aufrissen. Auch ihr Vorsprung im Torverhältnis schmolz auf lediglich zwei Treffer Unterschied zusammen. Aus eigener Kraft können sie den Abstieg nur verhindern, wenn ihnen beim letzten Match zuhause gegen Klingenbach ein Sieg gelingt und gleichzeitig der SV Wimpassing in Parndorf verliert. Gelingt dies nicht, kann man noch auf einen erfolgreichen Ausgang der Relegationsspiele der SV Mattersburg Amateure gegen die St. Pölten Juniors hoffen.


Eine Halbzeit für die Geschichtsbücher?


Wenn einem ein Fußballspiel emotional sehr betroffen macht, dann neigt man sehr schnell dazu mit seinen Aussagen zu übertreiben. Nichtsdestotrotz hat man vermutlich am Samstag in Pinkafeld gegen 19:39 Uhr einen lauten Knall gehört. Es war dies nicht der Überschallknall eines übenden Eurofighters über dem Himmel von Pinkafeld, sondern der Aufschlag des Felsbrockens auf Pinkafelder Boden, der beim 4:0 von Michael Oberrisser Funktionären, Spieler und Fans von ihren Herzen abgefallen ist.


In diesen 45 Minuten löste sich vieles in Wohlgefallen auf, das die Woche zuvor, aber auch die Monate zuvor in diesem Verein passiert und über ihm geschwebt ist.
Da wäre die Kritik zu nennen, die nach der Auswärtsniederlage Trainer Maximilian Senft und seinem Trainerteam von den eigenen treuen Fans entgegengeschlagen ist, weil dort mit einer ungewöhnlichen Aufstellung Halbzeit eins bestritten worden und die Sache leider schiefgelaufen ist. Dabei war die drückende Überlegenheit in Deutschkreutz in der letzten halben Stunde genau dieser kräftesparenden Aufstellungsvariante geschuldet. Dass die Sache damals nicht klappte, war einem Tausendguldenschuss eines 16-jährigen Deutschkreutzer und dem eigenen Unvermögen sechs Hochkaräter nicht zu verwerten "zu verdanken".


Wie unangenehm die "Senftsche" Spielanlage für gegnerische Mannschaften ist, sah man auch wieder im Spiel gegen Eberau. Das ständige Attackieren der Außenbahnspieler, der Versuch dort wo sich der Ball befindet eine Überzahl an eigenen Spielern zu erzielen, das daraus resultierende weite Aufrücken der Außenverteidiger war auch in diesem Spiel der Schlüssel zum Erfolg. So ist es kein Zufall, dass ausgerechnet das Tor eines Außenverteidigers, in diesem Fall von Christian "Masudi" Plank, neuerlich den Grundstein für einen Sieg bedeutete.


Für SCP-Insider war das gestrige Spiel aber viel mehr. Wenn man bedenkt, wie schwierig sich die Situation für den Verein auch abseits des Fußballplatzes im letzten Jahr gestaltete, dann waren diese 45 Minuten ein Kumulationspunkt, ein Tag der Ernte, für all die Dinge welche in den letzten Monaten investiert worden ist: Persönliche Energie, Emotionen, Ängste, finanzielle Mittel usw. All das hatte sich in 45 Minuten in Wohlgefallen aufgelöst. Alle, die in den letzten Monaten so viel für diesen Verein gegeben haben, erhielten in diesen 45 Minuten so viel von ihm zurück. Außergewöhnlich ist sicherlich, dass dies von einer Mannschaft erreicht wurde, in der fünf Pinkafelder, zwei Oberschützener und ein Wiesflecker aufliefen, deren Ersatzbank durchwegs mit Spielern besetzt war, deren Heimatort innerhalb von zehn Kilometern Luftlinie zum SCP-Platz liegt. Und die noch dazu das zweitjüngste Team der Burgenlandliga stellen.


Es ist eigentlich sehr schade, dass sich nur eine (oder zwei) Handvoll Pinkafelder bereit erklären, an diesem "Projekt SC Pinkafeld" mitzuarbeiten. Dabei wäre es faszinierend diesen jungen Menschen bei ihrer Arbeit zuzusehen, wie sie ihren Sport leben und ihn lieben. Wie sie sich unter der Woche vorbereiten, sich selbst organisieren und gemeinsam durch dick und dünn gehen. Sie würden sich dabei viel bessere Rahmenbedingungen verdienen, aber dazu würde es auf Funktionärsseite zusätzlicher Kräfte bedürfen, von Leuten die anpacken können.


Wäre das eine Deutschschularbeit, so hätte ich mich schon längst in Richtung Nicht Genügend bewegt, wegen einer Themenverfehlung. Aber gewisse Dinge müssen einfach einmal gesagt oder in diesem Fall besser geschrieben werden. Wenn nicht heute wann dann? Und um die Eingangsfrage zu beantworten, zumindest für mich war es emotional auf jeden Fall eine historische Halbzeit. Und sollte sich in zwei Wochen herausstellen, dass die SV Amas ihre Relegation gewinnen und die ganze Aufregung im Prinzip umsonst war, dann bleibt zumindest die Erinnerung, dass es einfach geil war.

 

Liveticker der Begegnung: http://ticker.ligaportal.at/live-ticker/233874/sc-pinkafeld-gegen-sv-eberau

 

Die U23 des SC Pinkafeld sicherte sich mit dem 2:0-Sieg gegen die Altersgenossen aus Eberau den Vizemeistertitel in der heurigen Meisterschaft: http://ticker.ligaportal.at/live-ticker/252003/sc-pinkafeld-reserve-gegen-sv-eberau-reserve

Pinkafeld - Eberau 4:1 (4:0)


Samstag, 03. Juni 2017, Pinkafeld, 250 Zuseher, SR Albert Wandl

Tore:
1:0 Anze Kosnik (3.)
2:0 Christian Plank (21.)
3:0 Domen Kosnik (34.)
4:0 Michael Oberrisser (39.)
4:1 David Mersits (78., Elfmeter)

Pinkafeld: A. Diridl, D. Luif, H. Gamperl, M. Pahr (67. F. Prochazka), A. Kosnik (67. L. Kirnbauer), D. Kosnik, C. Plank, M. Oberrisser (63. J. Knapp), S. Diridl, R. Smid, D. Sperl; P. Buchegger, S. Bundschuh
Trainer: Maximilian Senft

Eberau: F. Csencsits - D. Papa - P. Kraller - E. Bárdics, D. Mersits (79. F. Csencsits) - H. Wagner - J. Kovacs - N. Wukitsevits - J. Gegic - C. Kienzl (67. G. Bock) - L. Spirk (70. M. Bock); R. Pöschlmayer, R. Kraller
Trainer: Klaus Guger

Karten:
Gelb: Hannes Gamperl (38., Foul) bzw. Hanno Wagner (32., Foul)

Rot: keine bzw. Nik Wukitsevits (49., Tätl.)